Ausgabe Juni 2013, Walter Bucksch, www.volkstanzkreis-freising.de

 

 

s'Holledauer Bockerl
(Jetzt fahrn ma mitm Bockerl zum Hopfazupfa)

 

 

Schrittfolge
einer Strophe
WWDW WWDW DWDD DDWW DWDD DDWW
Erläuterungen Dieser Zwiefache stammt aus dem Landkreis Freising. Leider gibt es keine rein instrumentale Wiedergabe einer Schrittfolgen-Sequenz dieses Zwiefachen, wie sonst üblich, weshalb die erste Strophe des Stückes als Hörprobe dienen muß. Vor jeder Strophe gibt es eine Einleitung, dann folgt die angegebene Schrittfolge.
Dieses Lied beschreibt die langsame und beschauliche Art des Reisens mit einer Lokalbahn auf dem Streckenabschnitt von Freising nach Nandlstadt mit allen Vorkommnissen aus einer Zeit, in der man es noch nicht so eilig hatte und in der es nach Meinung der Leute auch noch gemütlicher zuging. Die gesamte normalspurige Strecke reichte von Freising bis Mainburg mit dem Hauptast von Enzelhausen nach Wolnzach. Die gesamte Anlage wurde nach und nach bis Ende 1999 stillgelegt, wobei der Abschnitt bei Flitzing laut Zeitungsbericht schon am 27. September 1969 abgebaut wurde.
Ein Museumsverein veranstaltete in den 1980er Jahren noch einmal Eisenbahnfahrten von Freising nach Haag zum dortigen Biergarten (Schloßallee), konnte aber eine Wiederbelegung der Lokalbahn nicht erreichen. Genaueres über das gesamte Schienennetz der Lokalbahn, seine Bedeutung, Nutzung und endgültige Stillegung erfährt man in der Wikipedia unter "Hallertauer Lokalbahn".
Musikbeispiel Hörprobe des Liedes: "Jetzt fahrn ma mitm Bockerl zum Hopfazupfa"
gesungen von den Nandlstädter Sängerinnen und begleitet von Georg Reindl, Akkordeon, und Wolfgang Diewald, Gitarre.
Musikquelle LP "Freising is a schöner Nam', Volksmusikgruppen aus Stadt und Landkreis Freising singen und Musizieren" herausgegeben vom Landkreis Freising.         Dieser Tonträger von 1979 ist im Musikalienhandel leider vergriffen. Es gibt z.Zt. (2013) antiquarisch noch Exemplare zum Stückpreis von ca. 50 €.
Verbreitungsgebiet Landkreis Freising
Zeitliche Zuordnung 1976
Text Hildegard Betz
Melodie Fritz Kiermaier
Quelldatei CD185
Liedtext, original Jetzt fahrn ma mitn Bockerl zum Hopfazupfa.
Ja z'Freising steign ma zua und dean s'Hüterl lupfa.
|: Da schreit der Schaffner, der grobe Lackl:
Hopfazupfa hint nein mitn Packl. :|
 
Und z'Langabach muaß s'Bockerl an d'Wassaleitung.
Da Schaffna vaschwind derweil mit da Zeitung.
|: Na pack mas wieda a kurze Streckn -
Kuah an Gleis braucht wegtreibn mitn Stecken. :|
 
Na kemma zum Bergerl vor Attenkircha.
Da tuat unser Bockerl no oiweil schiacha.
|: Da Schaffner moant, des kriagn ma a no:
"Schiabts a bisserl, schiabts a bisserl, geht scho". :|
 
Ja z' Figlsdorf duat ma's net anders kenna.
Da muaß hålt da Schaffner zum Wirtshaus renna,
|: Möcht no ganz gmütle a Halbe tringa.
Steigt dann nei, duat no'amal winga. :|
 
Und jetzt siegt ma Nandlstadt scho vo weitm.
Laut pfeift da des Bockerl, Leut gehts auf d'Seitn.
|: Schreit glei da Schaffner beim obihupfa:
"Raus mit de Nandlstädter Zupfa"! :|
 
Textquelle Abschrift des gesungenen Textes von oben zitierter Schallplatte.
 
Weitere Strophen Alois Graßl, 1. Vorstand der IG Hallertauer Modelleisenbahner e.V.,
gefiel das Lied vom Holledauer Bockerl so gut,
daß er es um einige Strophen erweitert hat:
 
Gemma hoid hintre und in den Wong nei,
A oide Hoizbank, de is für uns frei.
Pünktle is d´Abfahrt, erst pfeifts, dann pfauchts recht.
D'Lok vorn ziagt o, drin rumpelts ned schlecht.
 
Bleim boid drauf steh z´Neistift bei Freising
Und na scho wieder kurz in Marzling.
Doch nacha duad se der Zug schicka,
Da Schaffner kummd, Bilettl zwicka.
 
Na gehts an Woid nei, a d´Amper umme.
Boid drauf, im Zug a rechter Rumme.
In Haag bleim ma steh, da miaß ma wartn.
Fui Leut steing aus und wuin in Biergartn.
 
Weida Richtung Zolling, do duads dann stampfa,
De Lok voi Koinraach, de muaß recht dampfa.
D´Leut an Feld drauß dean am Zug winga,
Doch mia im Zug drin dean ganz schee stinga.
 
In Flitzing und Thonhaun, da bleim ma ned steh,
Wenn, dann miaßasd vorher zum Schaffner higeh.
Dann sagst du eam, wo mächasd ausstein.
Der sagts am Lokfahrer, werd na scho stehbleim.
 
Da Hopfa am Bahngleis werd oiwe mehra,
Da duad da Schaffna an rechtn Plärra:
"He, do hintn, mia warn scho z´Gründl!
Hopfazupfa, suachts eia Bündl!"
 
Des Bockerl fahrt weida noch Enzelhausen.
Do muaß de Lok um d´Wagerl rumsausen.
Draht um, fahrt weida bis Moabuag, Kohln faßn
Und über Nocht duads do dort aa rastn.
 
Jahrzehnte späda gibts koan Zug nimmer,
S´fahrn Autos und Busse, in Hektik fui schlimmer.
Da Schaffner in Rentn, der duad se ned schama
Sondern von da oidn Zeit drama.
 
Anmerkungen So wie das "Bockerl" den ländlichen Raum in der Holledau erschloß, so diente auch eine Schmalspurbahn in der ersten Hälfte des 20sten Jahrhunderts in Norddeutschland zwischen Lingen und Quakenbrück demselben Zweck.
Ich komme darauf, weil ich 1950 mit dieser Bahn als 10jähriger Internatsschüler vom Bahnhof "Handrup Kloster" in die Sommerferien gefahren bin.
Damals hieß es: "Das Blumenpflücken während der Fahrt ist verboten". Das war zweifellos eine Übertreibung, aber mitfahrenden Klassenkameraden gelang es durchaus, während der Fahrt Äpfel von nahestehenden Bäumen abzureißen.
Auf derselben Strecke fuhr mein Großvater Franz Hegge in den 1920er Jahren mit einem Musterkoffer zu seinen bäuerlichen Kunden, um Textilien zu verkaufen. Ich erinnere mich, daß er einmal erzählte, den Schaffner der Bimmelbahn gebeten zu haben, doch etwas auf ihn zu warten, bis er mit seinen Kunden handelseinig geworden wäre. Nach einer geschlagenen Stunde stand die Bahn doch tatsächlich immer noch da und wartete auf ihn. Mein Großvater ließ sich nicht lumpen, gab einen aus, worauf der Zug die Fahrt fortsetzte.
Mit dieser Anekdote wollte ich unterstreichen, daß die in obigem Lied besungenen Begebenheiten nicht aus der Luft gegriffen waren.