Ausgabe Januar 2011, Walter Bucksch, www.volkstanzkreis-freising.de

Heint auf d' Nacht

Heint auf d' Nacht ist ein Wechseltanz für Paare aus dem Egerland. Dieser Teil des heutigen Tschechiens grenzt an Bayern. Die deutsche Besiedlung erstreckte sich früher über den Oberpfälzer Wald bis fast nach Pilsen. Bekannte Städte im Egerland sind Marienbad, Franzensbad, Karlsbad und natürlich Eger, das heute Cheb heißt. Wann und wo der Tanz "Heint auf d' Nacht" aufgezeichnet wurde, ist mir nicht bekannt. Auf öffentlichen Festen in unserer Gegend ist er mir noch nicht aufgefallen, er wird aber gelegentlich in Tanzkreisen praktiziert. Eine im Druck erschienene Tanzbeschreibung findet man im Heft "Sudetendeutsche Volkstänze", Folge 1, vom Verlagshaus Sudetenland, München, 1987, Seite 61/62. ISBN 3-922423-27-2
Musikquelle: CD "Sudetendeutsche Volkstänze", Folge 1, Prod. Nr. E6
Vertrieb: Bayrischer Landesverein für Heimatpflege e.V., Ludwigstr. 23 Rgb., 80539 München.
Tanzbeschreibung
Beliebig viele Paare auf der Tanzfläche. Bursch und Dirndl stehen sich gegenüber, er mit dem Rücken zur Kreismitte (Stirndoppelkreis). Der Bursch hält mit seiner rechten Hand die linke des Dirndls etwa in Brusthöhe (Einhandfassung). Die freien Hände liegen aufgeräumt am Rücken. Er beginnt mit dem linken, sie mit dem rechten Fuß. Keine Tanzbewegung während des Vorspiels.
Takt Schritte und Bewegungen
1. Figur: Seitstell- und Kreuztupftritte in und gegen Tanzrichtung, Dirndl radelt.
1 Der Bursch beginnt mit dem linken, das Dirndl mit dem rechten Fuß. Beide machen einen Schritt seitwärts in Tanzrichtung. Er tupft mit der rechten Fußspitze schräg links vor dem Standbein auf den Boden. Das Dirndl macht die gegengleiche Fußbewegung: Sie tupft also mit der linken Fußspitze rechts vor ihrem Standbein.
2 Es folgt für beide die gegengleiche Fußbewegung. Bursch und Dirndl stellen das Spielbein (sein rechtes, ihr linkes Bein) zurück und machen mit dem anderen Bein einen Kreuztupftritt gegen Tanzrichtung.
3,4 Der Bursch hebt die rechte Hand mit der gefaßten linken des Dirndls und hält sie ihr über den Kopf. Sie dreht sich unter diesen zweimal im Uhrzeigersinn und kommt dabei in Tanzrichtung weiter. Er geht mit vier kleinen Schritten, mit links beginnend, neben ihr her.
2. Figur: Seitstell- und Kreuztupftritte in und gegen Tanzrichtung, Paschen.
5,6 Bursch und Dirndl wiederholen die Seitstell- und Kreuztupftritte wie in den Takten 1 und  2 beschrieben. Am Ende von Takt 6 bleibt die Gegenüberstellung erhalten, er mit dem Rücken, sie mit der Front zur Kreismitte.
7,8 Beide paschen mit den Händen auf die eigenen Oberschenkel (das Dirndl deutet den Schlag nur an), dann in Schulterhöhe einmal in die eigenen Hände und in Takt 8 dreimal mit beiden Händen in die des Gegenübers (rechts in links und links in rechts). Kurzfassung des Paschens:
Schenkel, eigen, fremd, fremd, fremd.
Kadenz: Die Dirndl gehen einen Burschen in Tanzrichtung weiter, die Burschen Paschen.
1,2 Nach dem Paschen gibt es eine zweitaktige Kadenz in der die Dirndl mit vier Gehschritten eine ganze Drehung im Uhrzeigersinn machen und dabei in Tanzrichtung zum nächsten Burschen weitergehen. Diese bleiben mit dem Rücken zur Kreismitte am Platz, und paschen dreimal vor dem Oberkörper in die eigenen Hände.

Damit ist ein Durchgang dieses Wechseltanzes beendet. Die Anzahl der Wiederholungen hängen von der Tanzlmusi bzw. dem Tanzleiter ab. Es gibt ein Lied "Heint auf d' Nacht", das man zu dem Tanz singen kann:
 
  Heint auf d' Nacht krieg i a Busserl,
Morg'n auf d' Nacht kriegst du a Busserl,
Gell, mei Schåtz, willst a a Busserl?
Tschingdarassa bum, bum, bum.