Ausgabe April 2006, Walter Bucksch, www.volkstanzkreis-freising.de

Studentenpolka
(Gmischter)

Nach Karl Horak (Tiroler Volkstanzbuch, Musikverlag Helbling, 1974, Seite 52) wurde die Studentenpolka 1934 in Saulueg südwestlich von Kundl (am Inn, bei Wörgl) aufgezeichnet. Sie ist in Österreich und Bayern verbreitet und wird gelegentlich auch zu Melodien von Studentenliedern getanzt, wodurch die Namensgebung erklärbar wäre. Karl Horak schreibt weiter, daß ein Dreiertanz in gleicher Aufstellung in der um 1240 von Wernher dem Gärtner verfaßten Dichtung "Meier Helmbrecht" geschildert und in der Manessischen Liederhandschrift, um 1300, abgebildet wurde. Herbert Lager und Hermann Derschmidt beschreiben in "Österreichische Tänze, 1. Teil", ISBN 3-215-01553-6, daß die Studentenpolka im südlichen Niederösterreich in der Nähe des Schneebergs, wegen des Wechsels zwischen 2/4- und 3/4-Takt unter dem Namen "Gmischter" bekannt war. Unter diesem Namen hat Otto Hief diesen Tanz aufgezeichnet und in den Blättern für Volkstanzgruppen, Wien, 1934, 1. Folge, veröffentlicht.
Musikquelle: CD5 "Volksweisen aus Tirol", CD 350914; LC8453.
Bezugsquelle: Tyrolis Muskverlag, D-82481 Mittenwald, Klammstraße 27.
Die Musik hat 36x8 Takte.
Tanzbeschreibung
Jeder Bursch hat zwei Dirndl, eines an der linken und eines an der rechten Hand. Die Arme hängen locker herab. Beliebig viele solcher Gruppen stehen auf der Kreisbahn mit Blick in Tanzrichtung. Die Melodie der ersten Figur ist im 3/4-Takt. Einleitung ohne Tanzbewegung abwarten.
Takt Schritte und Bewegungen
1. Figur: Mit Schwingschritten im 3/4 Takt in Tanzrichtung gehen.
1 Der Bursch macht mit dem linken Fuß einen Schritt in Tanzrichtung und schwingt mit dem rechten Bein über das linke. Beide Dirndl schreiten mit dem rechten Fuß aus und schwingen mit dem linken über das rechte Bein. Dabei wenden sich der Bursch und das Dirndl zu seiner Linken zueinander und schauen sich an. Das Dirndl zu seiner Rechten wendet sich etwas nach außen. Gleichzeitig schwingt der Bursch den linken Arm gegen und den rechten Arm in Tanzrichtung. Seine linke Hand hält die rechte des linken Dirndls gefaßt, seine rechte die linke des rechten Dirndls.
2 Vorwärts gehen mit Überschwingen der Beine und Schwingen der Arme gegengleich zu Takt 1. Der Bursch und das rechte Dirndl wenden sich zueinander, das linke Dirndl dreht sich etwas kreiseinwärts.
3-16 Die Schwingschritte und Armschwünge werden noch 7 mal wiederholt, also insgesamt 8 mal ausgeführt. Auf diese Weise kommen die Dreiergruppen in Tanzrichtung auf der Kreisbahn vorwärts. Es ist darauf zu achten, daß das Überschwingen der Beine dezent erfolgt und der Unterschenkel im Knie abgewinkelt, das Bein also auf keine Fall gestreckt ist. Diese Figur ist beschwingt, man federt etwas auf dem jeweiligen Standbein.
2. Figur: Achterlaufen im 2/4-Takt.
1,2 Zu Beginn der neuen Melodie löst der Bursch die Fassung. Er hängt sich rechtsarmig mit dem rechten Dirndl ein und macht mit ihr mit vier Schritten, mit dem linken Fuß beginnend, etwa eine halbe Drehung im Uhrzeigersinn um die Paarachse. Am Ende vom zweiten Takt beginnt er, sich von seinem Dirndl zu lösen. Beide strecken den rechten Arm.
Währenddessen beschreibt das einzelne Dirndl alleine mit vier Schritten einen kleinen Halbkreis im Uhrzeigersinn und bereitet sich vor, sich am Ende des zweiten Taktes mit dem Burschen linksarmig einzuhängen.
3,4 Zu Beginn des dritten Taktes hängt sich der Bursch linksarmig mit dem bislang alleingebliebenen linken Dirndl ein und macht mit ihr mit vier Schritten eine halbe Drehung gegen den Uhrzeigersinn um die Paarachse. Am Ende vom vierten Takt beginnt er, sich von ihr zu lösen.
Das rechte Dirndl bleibt in den Takten 3 und 4 alleine und beschreibt mit vier Schritten einen kleinen Halbkreis gegen den Uhrzeigersinn und bereitet sich vor, sich am Ende des vierten Taktes mit dem Burschen wieder rechtsarmig einzuhängen.
Auf diese Weise sind der Bursch und seine beiden Dirndl während der vier Takte eine kleine Acht gegangen. Man sollte die Figuren nicht zu großräumig anlegen, damit das Achterlaufen wegen der dann längeren Wege oder einer schnelleren Musik nicht zu einem Gerenne wird.
5-16 Das Achtergehen wird noch dreimal wiederholt, also insgesamt viermal durchgeführt. Am Ende von Takt 16 wird die Anfangshaltung für die Schwingschritte eingenommen.
 
  Damit ist ein Durchgang beendet. Der Tanz setzt sich fort mit Wiederholung der Figuren 1 und 2.